Helden im Kinderzimmer – Warum Jungen SpongeBob lieben und Mädchen Bibi Blocksberg

Die Helden unserer Kindheit hießen Pippi Langstrumpf, Flipper und Lassie und hingen allenfalls als Poster an den Kinderzimmerwänden. Heute sind die Helden der Kinder in der Mehrzahl quietsch bunt, gezeichnet oder Computeranimiert und sind dank eigener Filme auf DVD ständig verfügbar. Mädchen mit Prinzessinnenspleen lieben Prinzessin Lillifee und Hannah Montana, während Jungs frech und verrückt wie der sprechende Schwamm SpongeBob sein wollen, große Fans des englischen Handwerkers Bob der Baumeister sind oder davon träumen, mit Lichtschwertern bewaffnet durch die unendlichen Weiten des Weltraum zu reisen wie Luke Skywalker. In so manchem Kinderzimmer sind Lillifee, SpongeBob und Co. nahezu omnipräsent. An den Wänden hängen Poster, auch auf dem Schreibtischstuhl blicken einem die Comic-Helden entgegen, in den Regalen stehen Spielzeuge, Bücher und Becher der Figuren und auch die Wandfarbe passt zur jeweiligen Lieblingsfigur der kleinen Bewohner. Nicht zu vergessen ist natürlich auch die passende Motivbettwäsche. Selbst bei Lidl gibt es Bettwäsche mit Motiven der Simpsons, Muppets und Bildern von den Popidolen Justin Bieber und One Direction.  

Idole und unterhaltsame Anarchisten
Ähnlich wie unsere eigenen Kindheitsidole, verraten auch die Lieblingshelden der Kids von heute so einiges über sie. Kinder versuchen entweder, sich in den Figuren wiederzuentdecken und sehen sie als Idole und möchten ähnlich pfiffig, witzig oder abenteuerlustig sein, oder aber lieben das Spiel der Figuren mit Ordnung und Chaos. Einer der beliebtesten Figuren ist Hannah Montana aus der gleichnamigen Disney-Serie. Die Rolle des Popsternchens ist bei Mädchen nicht unbedingt deshalb beliebt, weil sie eine erfolgreiche und reiche Sängerin ist, sondern wegen ihrer Menschlichen Qualitäten. Hannah hat Probleme wie jedes andere Kind auch und trotzdem immer ihr bestes gibt. Mädchen suchen sich im TV gerne „leistungsstarke, sozialverantwortliche Mädchenfiguren“ als Vorbild aus. Aus eben diesem Grund ist auch die kleine Hexe Bibi Blocksberg so beliebt. Bei den Jungen ist es der chaotisch SpongeBob Schwammkopf, der begeistert. Sie lieben seine kindliche Sicht auf die Dinge und sein aktionistisches Handeln ohne wiederspiegeln und geistige Verarbeitung seiner Taten. SpongeBob erfüllt eine andere Funktion als beispielsweise Hannah Montana. Sie suchen in ihren Lieblingsfiguren kein Idol sondern Eigenschaften, die gefallen. Sie sehen in Helden wie Bart Simpson oder SpongeBobs SideKick Patrick kein Vorbild, viel eher ist es der Unterhaltungswert und der Kampf zwischen Chaos und Ordnung, der die Anziehung ausmacht. Das Prinzip vieler Jungenfiguren ist einfach: Egal, was ich mache, am Ende komme ich immer damit durch. Und trotzdem können die chaotischen Helden die Ordnung zu guter Letzt nicht überwinden.

Qualität und Antihelden
Viele Eltern hätten es lieber, wenn sich ihr Kind an den Figuren des Bildungsfernsehens orientieren würde und beobachten die Faszination ihrer Söhne mit Batman, Bart Simpson oder dem sprechenden Schwamm mit leichter Besorgnis. Viel lieber wäre es ihnen, sie blieben für immer Fans von Benjamin Blümchen und anderen Helden des sogenannten Qualitätsfernsehens, aber die kindliche Anarchie lässt das besonders bei Jungen oftmals nicht zu. Es gibt jedoch auch keine Beweise, dass vergleichsweise eindimensionale Figuren wie SpongeBob das Sozialverhalten von Jungen explizit negativ beeinflussen. Übrigens, schon seit Generationen sind chaotische Heldenfiguren bei Kindern beliebt, die Eltern ungern als Vorbild für ihren Nachwuchs sehen. Wie sonst lässt sich die Beliebtheit der Astrid Lindgren Figur Michel aus Lönneberga erklären?

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